Shared Space – mehr Miteinander auf unseren Straßen

von Ursula Gottschall

Share Space

Noch vor 200 Jahren teilten sich Fußgänger und Fuhrwerke den gesamten Straßenraum. Zwar gab es bereits Bürgersteige, dies aber zunächst vor allem, um wohlhabende Bürger beim Flanieren vor dem Schmutz der damals unbefestigten Straßen zu schützen. Im Laufe des 19. Jdhts. folgten erste Ansätze, Fußgänger und Pferdefuhrwerke räumlich zu trennen. Doch erst mit der massenhaften Verbreitung motorgetriebener Fahrzeuge und den immer höheren gefahrenen Geschwindigkeiten ließen sich die Bedürfnisse des fahrenden Verkehrs und der langsameren Verkehrsteilnehmer nicht mehr auf einer Fläche vereinbaren.

Seit Jahrzehnten trennen wir nun den Verkehr nach Geschwindigkeit, wobei heute der Autoverkehr die Straße absolut beherrscht. Diese Praxis hat unser alltägliches Leben verändert: befahrene Durchfahrtsstraßen wurden zu Demarkationslinien zwischen Ortsteilen, selbst auf abgelegenen Nebenstraßen können wir unsere Kinder nicht mehr unbeaufsichtigt spielen lassen.

Idee

Seit wenigen Jahren ist nun ein Konzept in der Diskussion, das wieder mehr Miteinander in unsere Straßen bringen soll: "Shared Space", zu deutsch "Geteilter Raum". Das Konzept wurde Mitte der 80-er Jahre vom niederländischen Verkehrsplaner Johannes Monderman entwickelt und wird inzwischen international in vielen Kommunen verwirklicht. Dem Konzept liegt die Idee zugrunde, dass weniger Regelung zu mehr gegenseitiger Aufmerksamkeit führt und dass aufgrund reduzierter Regelungen das höhere Risiko durch direktes "Aushandeln" zwischen den Verkehrsteilnehmern bewältigt wird.

Shared Space in BohmteShared Space in Centrumharen

Allen am Verkehr beteiligten Gruppen wird der gleiche Rang zugesprochen, das führt zwangsläufig zu mehr Kommunikation auf Augenhöhe. Damit wird dem öffentlichen Raum auch ein Stück Anonymität genommen. All das funktioniert natürlich nur bei reduzierter Geschwindigkeit, was sich wiederum auch günstig auf die innerörtliche Lärmentwicklung, den Schadstoffausstoß und Energieverbrauch auswirkt.

Die Erfahrungen mit "Shared Space" sind gut. Die Unfallzahlen in den beteiligten Orten sind gesunken, sowie auch die Höhe der Unfallschäden, wenn doch etwas passiert. Vor allem hat sich aber in den Orten, die das Konzept bisher umgesetzt haben, die gefühlte Lebensqualität deutlich verbessert.

„Shared Space“ bedeutet, frei übersetzt, “den Straßenraum gemeinsam nutzen“. Um dies optimal zu ermöglichen, sind umfassende bauliche Veränderungen vorgesehen, insbesondere:

  • die Nivellierung des Straßenraumes,
  • eine orientierende Unterteilung z.B. durch unterschiedliche Pflasterungen statt fixe Trennung der Zonen,
  • die Abschaffung von Ampeln und Schildern, bei Zugang / Zufahrt in die entsprechenden Zone wird mit einem Schild auf die Regelung verwiesen.

Shared Space in Brighton

Unsere Vision für Au

In Au sind vor allem die Wohngebiete – also praktisch alle Straßen außer der Dorfstraße – zur Verwirklichung eines gleichberechtigten, gemeinsamen Verkehrsraumes prädestiniert. Dort gibt es keinen Durchgangsverkehr, teilweise fehlen die Bürgersteige und auch heute schon gilt vielfach Tempo 30. Die Ortsdurchfahrt auf der L122 müsste, aufgrund des starken überörtlichen Durchgangsverkehrs zunächst ausgeschlossen bleiben.

Die konsequente Weiterentwicklung zum „Shared Space“ würde die Ungleichbehandlung zugunsten der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer aufheben. Weil alle auf alle Rücksicht nehmen müssen, ist die Wirkung auf das Verkehrsverhalten viel grundlegender als eine Tempobeschränkung alleine, und das käme dem Wohlbefinden und der Wohnqualität aller Anwohner direkt zugute.

Aus Kostengründen sind so grundlegende bauliche Veränderungen, wie sie das „Shared Space“-Konzept vorsieht, derzeit sicher nicht machbar. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, mit einer abgespeckten Lösung zu beginnen!

Die WBU schlägt vor, entsprechende Bereiche zunächst als „Verkehrsberuhigte Zone“ auszuweisen, welche den Gedanken des „Shared Space“ bereits in ähnlicher Form beinhaltet. Die Weiterentwicklung zum „Shared Space“ ließe sich vielleicht in einem Modellprojekt verwirklichen.

Nicht nur die Straßensituation von Au (fast reines "Sackgassendorf", daher nur Ziel- und Quellverkehr und kein Durchgangsverkehr) prädestiniert uns zu so einem Modellprojekt sondern auch  die soziale Situation: wir haben eine überschaubare Bevölkerung mit (relativ) großem inneren Zusammenhalt. Die engen sozialen Beziehungen und die soziale Kultur im Dorf werden uns veranlassen, auch den öffentlichem Raum fair zu teilen. Das mag im urbanen Umfeld wohl anders sein.

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