Konzepte

Klimaschutz

Windkraft als zentraler Bestandteil des Klimaschutzkonzepts für Au

Mit dem Abklingen von Corona rückt die Klimakrise zunehmend wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Spätestens mit den trockenen Jahren 2018 bis 2020 und den klimabedingten Schäden in unseren Wäldern ist klar geworden, dass vom Klimawandel alle betroffen sind. Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom März 2021 stellt klar, dass der Staat zum Klimaschutz verpflichtet ist und im Sinne der Generationengerechtigkeit Klimaneutralität anstreben muss.

Das Ziel der Klimaneutralität stellt auch ein reiches Land wie Deutschland vor eine Herkulesaufgabe. Wir werden es nur unter größten Anstrengungen, mit Einschränkungen und Kompromissen erreichen können. Und: Wir werden es nur schaffen können, wenn jedes Bundesland und letztlich auch jede Kommune versucht, Klimaneutralität zu erreichen.

Mit einem Grundsatzbeschluss vom Februar 2021 stellt sich die Gemeinde Au der Herausforderung und hat sich zum Ziel gesetzt, die CO2 Emissionen bis zum Jahr 2030 (relativ zum Referenzjahr 2010) um 50% zu reduzieren und mittelfristig klimaneutral zu werden.

Die Ausgangssituation

Grundlage dieses Beschlusses ist eine Potenzialstudie, in welcher der Endenergiebedarf und die CO2 Emission, die jährlich für die gesamte Gemeinde zu Buche schlägt, abgeschätzt wurden.

Allein der Wärmeverbrauch betrug 2010 jährlich mehr als 12,3 Gigawattstunden (GWh), was dem Energieinhalt von 1,2 Millionen Liter Öl (oder 40 Tanklastern) entspricht. Der Wärmebedarf wurde überwiegend durch die fossilen Brennstoffe Öl und Gas gedeckt und war mit einer geschätzten jährlichen CO2 Emission von 3100 Tonnen CO2 verbunden. Für den Verkehrssektor brachte die damalige Schätzung einen Energieverbrauch von 5,4 GWh in Form von Kraftstoffen (mehr als 10000 Tankfüllungen) und damit einhergehend eine Emission von 1700 Tonnen CO2, wobei Flugreisen nicht einbezogen worden waren. Der Stromverbrauch bezogen auf die gesamte Gemeinde wurde mit 3,7 GWh angegeben. Legt man den damaligen Strommix zu Grunde, so führt der Bezug dieser Strommenge aus fossilen Kraftwerken zu einer Emission von weitere 1900 Tonnen CO2.

Das Klimaziel des Auer Gemeinderatsbeschlusses bedeutet daher, dass der jährliche CO2 Ausstoß bis zum Jahre 2030 von einem Ausgangswert von 6700 Tonnen auf etwa 3400 Tonnen zu reduzieren ist.

Wie ist dieses Ziel zu erreichen?

Das Treibhausgas CO2 entsteht, weil wir unseren Energiebedarf durch die Verbrennung von Brenn- und Kraftstoffen decken. Um schädliche Emissionen zu vermeiden, müssen wir deshalb unseren Energiebedarf ausschließlich aus erneuerbaren Energien decken und gleichzeitig versuchen, unseren Energiebedarf deutlich und, wo immer möglich, zu reduzieren!

Der Schlüssel zu wirkungsvollem Klimaschutz liegt daher in einen ambitionierten Ausbau der Erneuerbaren. Wind und Sonne stehen uns in fast unbegrenztem Umfang praktisch kostenlos zur Energiegewinnung zur Verfügung.

Ein Windrad auf unserer Gemarkung würde aktuell etwa die Hälfte der von den Bürgern und Liegenschaften in der Kommune Au verbrauchten Endenergie abdecken, gleichzeitig aber – wie im folgenden vereinfachend skizziert wird - die langfristige Perspektive für die angestrebte Klimaneutralität der Gemeinde eröffnen.

Windkraft und Photovoltaik liefern Primärenergie ohne nennenswerte Umwandlungsverluste direkt als energetisch hochwertigen Strom, und es besteht die Möglichkeit die Energie dort zu erzeugen, wo sie auch gebraucht wird: direkt vor Ort. Da bei der konventionellen Stromerzeugung nur etwa ein Drittel der eingesetzten Brennstoffenergie tatsächlich bei der Steckdose ankommt, bedeutet bereits die Umstellung auf Erneuerbare Stromquellen eine substantielle Einsparung bei der Primärenergie und den damit verbundenen schädlichen Emissionen.

Auch unsere Verbrenner-Autos sind eher fahrende Heizungen, denn ein E-Auto kommt mit weniger als einem Drittel des Energieeinsatzes aus. Ein wichtiger Schritt zur Energieeinsparung liegt also in der Umstellung der Stromerzeugung auf Erneuerbare und in der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte. Ein zusätzlicher Rückgang des Individualverkehrs lässt sich mit dem Ausbau des ÖPNV und einer Erhöhung seiner Attraktivität erreichen.

Ein Ansatz zur Wärmewende

Die größte Klimaschutzaufgabe, die für Au in den kommenden Jahren zu stemmen ist, stellt allerdings der Wärmesektor dar, auf den fast die Hälfte aller CO2 Emissionen in der Kommune zurückzuführen sind. Eine Dämmung der Gebäudehüllen und der Dächer bietet das Potenzial, etwa 50% des Heizbedarfs einzusparen. Um auf diesem Weg eine Reduktion von 50% bis 2030 zu erreichen, müsste allerdings bei dem vorhandenen Gebäudealtbestand eine sehr hohe jährliche Sanierungsquote von mehr als 8% erreicht werden.

Alternativ oder in Ergänzung können diese Bestandsgebäude mit einer klimaneutralen Heizung ausgestattet werden. Als neue Heizungsanlage bietet sich unter anderem das System Wärmepumpe an, denn moderne Wärmepumpenheizungen sind auch für den Altbestand geeignet. Die Wärmepumpe hat die Eigenschaft, dass sie einer „kalten“ Wärmequelle aus der Umgebung Wärme entzieht und diese Umweltwärme auf ein höheres Temperaturniveau anhebt. Wird diese Wärmepumpe mit erneuerbarem Strom betrieben, kann das Gebäude ohne jegliche CO2 Emission und somit klimaneutral beheizt werden. Durch die Verwendung von Umweltwärme wird ein gegebener Heizbedarf nicht nur klimaneutral gedeckt, sondern auch der zum Heizen erforderliche Primärenergieeinsatz substantiell reduziert. Zwar bezieht die Wärmepumpe den Löwenanteil ihrer Heizleistung aus der Umweltwärme; es verbleibt aber ein Strombedarf von etwa 25% bis 35%, der vor allem im Winter anfällt. Also Vorsicht: Wird dieser Strom aus einem Kohlekraftwerk bezogen, so emittiert die Wärmepumpenheizung unter dem Strich etwa so viel wie eine Ölheizung und dem Klima ist nicht geholfen.

Die Rolle der Windkraft in den Wintermonaten

Leider kann eine Wärmepumpe schlecht mit Sonnenstrom betrieben werden, da der Heizbedarf eben durch die Abwesenheit der wärmenden Sonne in den Wintermonaten entsteht. Der Wind hingegen weht gerade in den kälteren Jahreszeiten besonders intensiv und ist daher besonders geeignet, den Heizbedarf von Wohngebäuden auch ohne Einsatz von Brennstoffen oder saisonalen Speichern zu decken. Windkraft spielt daher in einem Klimaschutzkonzept, das auf Wärmepumpen basiert, eine zentrale Rolle.

Fazit

Mit einer Umstellung unserer Stromerzeugung auf Erneuerbare, einer Elektrifizierung unseres Verkehrs und einer Beheizung unserer Gebäude mit Umweltwärme kann eine substantielle Reduzierung des Primärenergiebedarfs um bis zu 70% erreicht werden, ohne dass wir in der Heizperiode im Kalten sitzen müssen oder unsere Mobilität stark einzuschränken wäre. Ein Windrad der heutigen Generation kann über die ganze Heizperiode mindestens zwei Gemeinden der Größe von Au im Winter mit Wärmepumpenstrom versorgen. Auch wäre mit einem solchen Windrad, in Verbindung mit den dargestellten Veränderungen im Heizungs- und Verkehrssektor, die Energie-Jahresbilanz von Au (unter Einbeziehung aller drei Sektoren) ausgeglichen und damit das Ziel der Klimaneutralität erreicht.